Samstag 21. Mai 2011 — Sonntag 10. Juli 2011

Über die Metapher des Wachstums

Ausstellung

San Keller

San Keller (CH, geb. 1971 in Bern, lebt und arbeitet in Zürich) bezeichnet sich selbst gerne als „Dienstleistungskünstler“. Seine Kunst manifestiert sich meist in Form von Aktionen, in denen er dem menschlichen Verhalten, den Funktionsweisen sowohl des Kunstsystems wie auch der Gesellschaft nachspürt und diese hinterfragt.

Eine seiner bekanntesten Aktionen trägt den Titel „San Keller schläft an Ihrem Arbeitsort“, die er erstmals im Jahr 2000 durchführte. Die Arbeit beinhaltet die Vereinbarung, dass der Künstler am Arbeitsort des Auftraggebers schläft, auch während dieser seiner Arbeit nachgeht. Der Lohn für das Schlafen entspricht jeweils dem durchschnittlichen Tageslohn des Auftraggebers. Die Aktion wurde seither von verschiedenen Arbeitgebern „gekauft“ und hat sehr unterschiedliche Reaktionen der Medien und Öffentlichkeit hervorgerufen. Etwas vermeintlich Inaktives wie das Schlafen als geldwerte Leistung zu behandeln, wurde vielseits als Provokation verstanden.

In den Ausstellungen „Über die Metapher des Wachstums“ in Basel und Hannover zeigt San Keller die Arbeit „Mein Kontostand“ (2005). Ursprünglich anlässlich einer Ausstellung in der Galerie Brigitte Weiss entstanden, veröffentlichte der Künstler täglich den aktuellen Stand seines Girokontos, wie er auf dem Kontoauszug erschien. Die Unikate waren zum Preis eben dieses Kontostandes käuflich. Im Kunsthaus Baselland wird die Arbeit insofern erweitert, als während der Woche der Art Basel (15.-19. Juni 2011) der auf Tischsets ausgedruckte tägliche Kontostand in Wirtshäusern rund um das Messegebäude aufgelegt wird. San Keller wird jeden Tag in einem der Restaurants zu Mittag essen und das dort benutzte Tischset in die Ausstellung zurückführen. Die Spuren des Essens und die Wertsteigerungen künstlerischer Werke anlässlich der Kunstmesse gelangen dabei zum Thema. Die zu Beginn der Ausstellung lediglich mit dem jeweiligen Datum der geplanten Aktion  bezeichneten Bilderrahmen, werden so im Zeitraum vom 15. bis 19. Juni 2011 mit dem täglichen Kontostand des Künstlers ergänzt.

Ebenso sind die Audio-Arbeit „Blow Up“ (2005) und das Objekt „Geldsack“ (2004) im Kunsthaus Baselland zu sehen. Beim Erwerb des Geldsacks verpflichtet sich der Besitzer, den Geldsack vor jeder Reise in ein Land, in dem Armut herrscht, mit Münzen der dortigen Landeswährung zu füllen und den Inhalt auf der Reise Münze für Münze an Bettler zu verteilen – bis der Geldsack leer ist. Die Arbeiten, die das Thema Geld aufgreifen, rufen meist besonders emotionale Reaktionen der Rezipienten hervor. Das Anhäufen und Verlieren von Geld, ob physisch oder auf Papier ausgedruckt vor Augen geführt, kann nicht nur als individuelle, sondern als generelle Metapher gelesen werden, die das gesellschaftliche Ziel nach permanenter Geldvermehrung widerspiegelt. Das Zerplatzen der „Seifenblase“ vertont San Keller mit der Arbeit „Blow-Up“ dagegen ganz direkt: Beim Abspielen des CD-Players ist das Geräusch des Aufblasens eines Ballons zu hören, bis dieser mit lautem Knall platzt.


San Keller, Geldsack, 2004
San Keller, Geldsack, 2004
San Keller, Mein Kontostand, 2011