Ausstellung
Peter Buggenhout
Einige der in der Ausstellung „Über die Metapher des Wachstums“ präsentierten Arbeiten beschäftigen sich abstrahierend mit dem elementaren, natürlich anmutenden Wachstum: Künstler wie Peter Buggenhout (BE, geb. 1963, lebt in Gent) erschaffen Werke, die das Prinzip von Entstehen und Vergehen, Entwicklung und Zerfall in Material und Formen sinnlich erlebbar machen.
Seine Skulpturen sind aus alten Baustoffen und Abfallstücken zusammengefügt – wie z. B. das Holz eines alten Fischerbootes, die Metallstreben einer ehemaligen Jalousie, die Kunststoffrohre einer ausrangierten Wasserleitung – und mit ungewöhnlichen organischen Materialien bearbeitet: So kommen für die Werke aus der Serie der „Gorgos“ unter anderem Schweineblut und Pferdehaare zum Einsatz, und die seltsamen Oberflächen der Werke aus der Serie „Mont Ventoux“ bestehen aus getrockneten Kuhmägen. In der Serie „The Blind Leading the Blind“ – die das gleichnamige berühmte Bild von Pieter Bruegel aufruft – überdeckt der Künstler seine Skulpturen mit einer dicken Schicht aus grauschwarzem Haus- oder Industriestaub, die anschließend aufwändig fixiert wird. So auch in dem großen Werk mit der Nummer 35 aus dem Jahre 2010. Zunächst wirkt es wie ein Scheiterhaufen oder Menetekel einer Katastrophe, wie übriggebliebener und zusammengeschobener Schutt eines eingestürzten Gebäudes. Man mag an die monströsen Überreste des New Yorker World Trade Centers nach dem Anschlag denken: gewaltige, verbogene und geborstene Konstruktionselemente, zusammengehalten aus erstarrten Flüssigkeiten, die eigentümliche Gerüche verströmen, überzogen mit einer dicken Staubschicht. Die Oberflächen in Buggenhouts Skulpturen changieren zwischen unbeschreiblichem, zuweilen apokalyptisch anmutendem Chaos und fein ziselierten Strukturen. Nur an manchen Stellen der Werke erweist sich die präzise bildhauerische Gestaltung: Es sind weder gefundene Ensembles oder Überbleibsel noch organisch gewachsene Klumpen. Die Skulpturen scheinen einer Logik zu folgen, die sowohl innerhalb ihrer Elemente und in den Bedingungen ihres Aufstellens wohnt als auch außerhalb – beim Urheber. Gerade weil sie auf nichts Anderes als sich selbst verweisen, erscheinen sie dem Betrachter stets als wesenhafte Gegenüber: Sie haben Charakter und Ausdruck, enorme Präsenz und Individualität und sind ebenso technische wie organische Gebilde. Obwohl die Herkunft von einzelnen ihrer Bestandteile zuweilen identifizierbar ist, sind sie referenzlos, autonom: Es handelt sich bei diesen Objekten nicht um bildhauerische Darstellungen, sie enthalten keine Narrationen oder gar symbolische Verweise. Peter Buggenhout spricht in diesem Zusammenhang von „abject things”, Dinge also, die jede Identifizierung zurückweisen, einschließlich jener als künstlerische Objekte. Diese Eigenart der Werke zu erreichen – nicht etwa eine spezifische Form –, ist das Ziel von Buggenhouts künstlerischem Arbeitsprozess. Die Materialien werden solange plastisch aufgehäuft, zusammengefügt und in malerischer Weise bearbeitet, bis sich ein Grad an Abstraktheit einstellt, der jegliches symbolisches Verweispotential ausschließt. Gerade deswegen können Buggenhouts Werke als metaphorische Visualisierung des Prinzips vom Entstehen und Vergehen, von Entwicklung und Zerfall verstanden werden. Bei aller Morbidität und radikaler Widerständigkeit scheinen diese Skulpturen Manifestationen eines universellen Wachstums und eines unaufhaltbaren Lebensprinzips zu sein.

















