Samstag 21. Mai 2011 — Sonntag 10. Juli 2011

Über die Metapher des Wachstums

Ausstellung

Michel Blazy

Die Werke von Michel Blazy (F, geb. 1966 in Monaco, lebt und arbeitet in Paris) sind geprägt von ihrem experimentellen und oft ephemeren Charakter. Die Werkstoffe seiner Malereien, Skulpturen und Installationen sind entweder der Natur entnommen oder entstammen Bau-, Garten- und Supermärkten.

Die Materialien überlässt Blazy den natürlichen Verfallsprozessen, die in Form von Schimmelpilzkulturen Wachstumsprozesse hervorrufen. Wenn Blazy beispielweise ein Feld aus mit Lebensmittelfarben versehenen Kartoffelflocken von der Decke bewässert, so bestimmt er dabei zwar die grundsätzlichen Settings der Installation, andere Einflüsse wie Luftfeuchtigkeit, Lichteinfall, Temperatur oder die biologischen Prozesse der jeweiligen Materialien selbst hingegen tragen ihren Teil zum Erscheinungsbild der Arbeit bei. Seinen Arbeiten liegt etwas Unkontrollierbares und Zufälliges zugrunde, und meist bestimmt die Dauer einer Ausstellung, inwieweit Prozesse sichtbar bleiben bzw. wann sie gestoppt werden. Seit den 1990er Jahren experimentiert der Künstler auch mit Badeschaum, der für eine Reihe von Skulpturen und Installationen zum Einsatz kam. Im Rahmen der Ausstellung „Über die Metapher des Wachstums“ werden sowohl im Kunstverein Hannover als auch im Kunsthaus Baselland Schauminstallationen gezeigt. Platziert in Müll- oder Regentonnen, aus Wänden oder Regalen hervorquellend, wächst der dichte Schaum kontinuierlich zu einer Form, die sich gleichzeitig wieder auflöst. Die skulpturale Erscheinung der Installation beschreibt einen ständigen Wandel, bei dem Werden und Vergehen einen engen Kreislauf eingehen. Die von Blazy verwendeten Behälter, wie Regen- und Mülltonnen, aus denen der Schaum hervorquillt, dienen auch im Alltagsgebrauch als Behälter für Masse, die verbraucht, weiterverarbeitet und neuerlich gefüllt wird. Der unaufhörlich heraustretende Schaum veranschaulicht geradezu paradigmatisch den natürlichen Kreislauf der Metapher des Wachstums.

In einer weiteren Arbeit, die im Kunsthaus Baselland präsentiert wird, bearbeitet Michel Blazy eine Wand mit einem Gemisch aus Agar-Agar und Lebensmittelfarbe. Das aus der asiatischen Küche bekannte Geliermittel bricht im Laufe der Zeit auf und löst „Schälprozesse“ aus. Die Wand runzelt und altert – wie Haut nach einem Sonnenbrand oder die Rinde eines Akazienbaumes.


Michel Blazy, Fontaine de Mousse, 2011
Michel Blazy, Fontaine de Mousse, 2011
Michel Blazy, Fontaine de Mousse, 2011
Michel Blazy, Mur de Pellicules, 2011
Michel Blazy, Mur de Pellicules, 2011