Samstag 21. Mai 2011 — Sonntag 10. Juli 2011

Über die Metapher des Wachstums

Ausstellung

Max Bottini

Im Mittelpunkt der künstlerischen Tätigkeit von Max Bottini (CH, geb. 1956 in Bürglen, lebt und arbeitet in Uesslingen) steht neben der Malerei vor allem seine Auseinandersetzung mit Lebensmitteln, ihrem Ursprung, ihrer Zubereitung und gesellschaftlichen Relevanz ebenso wie Prozesse der Natur und ihrer künstlerischen Vermittlung. In zahlreichen Projekten und Aktionen rückte er die natürlichen und sozialen Komponenten rund um das Essenins Zentrum.

So gelangte von April bis September 1994 ein Projekt zur Durchführung, bei dem eigens hierfür aufgezogene, natürlich gemästete, penibel gewogene und professionell geschlachtete Hühner schlussendlich nach einem Rezept aus Hongkong zubereitet unter der Thur-Brücke im Schweizerischen Thurgau von geladenen Gästen verspeist wurden. Die Rituale rund um das Essen, die Überlieferung von Rezepten, die Gaumenerlebnisse und der Tisch als Ort des Gesprächs standen dabei im Mittelpunkt von Bottinis Interesse. Ein weiteres Großprojekt im Kunstmuseum Thurgau (2000–2001) beinhaltete das Sammeln und Degustieren von 1.100 in Einmachgläsern gelagerten Lebensmitteln, wobei vor allem die Möglichkeit des Austauschs von Geschmacksempfindungen und Rezepten dem Werk seinen kommunikativen und prozesshaften Charakter verlieh.

Für die Ausstellung im Kunsthaus Baselland konzipierte Bottini ein Projekt, bei dem das Wachstum eines sogenannten Zauberbambus’ akribisch beobachtet wird. Bottini platziert eine Bambuspflanze im Außenraum des Kunsthaus Baselland und versieht das Sprossenende mit einem in den Innenraum führenden Faden, an dessen Ende ein Bleistift angebracht ist. Vergleichbar mit dem Markieren des Wachstums der Kinder, welches meist an Türrahmen oder an versteckten Wandteilen der elterlichen Wohnung eingezeichnet wird, lässt der Künstler das Gedeihen der Pflanze zu einem nachvollziehbaren, sichtbaren Prozess werden. Bottinis Aktionen und Installationen verwenden oft bekannte Handlungsweisen, die durch die künstlerische Handhabung als Forschungsmethode auf Seite des Rezipienten zu einer neuen Sensibilisierung führen.


Max Bottini, Zweimal wachsen, 2011
Max Bottini, Zweimal wachsen, 2011
Max Bottini, Zweimal wachsen, 2011