Ausstellung
Lois Weinberger
Lois Weinberger (geb. 1947 in Stams/A, lebt in Wien) „arbeitet [...] an einem poetisch-politischen Netzwerk, welches den Blick auf Randzonen lenkt und Hierarchien unterschiedlicher Art in Frage stellt. Er versteht sich als Feldarbeiter und beginnt in den 1970er Jahren mit ethnopoetischen Arbeiten, welche die Basis bilden für die seit Jahrzehnten entwickelte künstlerische Auseinandersetzung mit dem Natur- und Zivilisationsraum. Ruderal-Pflanzen – „Unkraut“ – die alle Bereiche unseres Lebens tangieren, sind Ausgangs- und Orientierungspunkt für Notizen, Zeichnungen, Fotos, Objekte, Texte, Filme und Arbeiten im öffentlichen Raum“(zit. www.loisweinberger.net).
Seine Installation im Kunsthaus Baselland im Rahmen der Ausstellung greift auf einen frühen Entwurf aus dem Jahr 1991 zurück. Für den Wettbewerb „Kunst & Raum St. Pölten (Regierungsviertel)“ konzipierte Weinberger einen Stahlkäfig, der im Außenraum einen Freiraum für ein unbeschränktes Wachstum von Pflanzen abgrenzt. Diese „Ruderaleinfriedung“ war ursprünglich für verschiedene Orte, sowohl im Landschafts- als auch im städtischen Raum gedacht. „Wild Cube – Ruderaleinfriedung“ (2010), so der Titel der Installation im Kunsthaus Baselland, umfasst drei Stahlkäfige, Zeichnungen, Skizzen und Fotografien rund um diese Konzeption, die sieben Jahre nach dem Wettbewerbsentwurf 1998/99, als 40 m langer Gitterkäfig an der Neuen Sozial- und Wirtschaftsuniversität in Innsbruck realisiert wurde. Die durchlässige Vergitterung lässt Pflanzensamen ins Innere ebenso wie von dort ins Äußere. Innerhalb der Einfriedung kann wachsen, was immer seinen Weg dorthin findet. "Die Gärten von Lois Weinberger, in denen Pflanzen und Erde weitgehend sich selbst überlassen und Unkraut umgewertet wird, in denen sich das Grün migriert und Neophyten Freigang haben, erscheinen vor diesem Hintergrund fast schon visionär. Sie sind radikaler Vorreiter und paradigmatisches Bespiel für neuere parasitäre und symbiotische Strategien im Umgang mit Natur." (Susanne Witzgall)
Das Sichtbare – die Vergitterung – ist als Einfriedung gedacht / für einen Raum / entstanden aus einer präzisen Achtlosigkeit dem gegenüber / was allgemein als Natur bezeichnet wird. Im Weiteren und Eigentlichen eine Arbeit über das Werden und Vergehen – hin zu unserer unsichtbaren Natur / der Natur des Geistes.
Brachen / Peripherien / die unsere Urbanisierungsanstrengungen vor sich her schieben / sind Gärten / in denen sich die Grenzen als Weiterführendes – Bewegtes – Unsicheres zeigen.
Belassene Gärten der Vielfalt entsprechen heutigen Dringlichkeiten / dem Bemerken von Zäsuren / Verbindungen und ihren Vibrationen / den Garten als Zeichen des freiwilligen Verzichts / der Gelassenheit / des Nichteingreifens zu sehen. Und doch eine Second Hand Natur – in dem Ausmaß unserer Annäherung an die Natur / entschwindet sie.
So wird die Aufforstung dem Wind / den Vögeln / den ohnehin in der Erde befindlichen Samen überlassen bleiben – Spontanvegetation – eine Lücke im urbanen Raum - WILD CUBE. (Lois Weinberger)

















