Samstag 21. Mai 2011 — Sonntag 10. Juli 2011

Über die Metapher des Wachstums

Ausstellung

Franck Scurti

Das Werk von Franck Scurti (F, geb. 1965 in Lyon, lebt und arbeitet in Paris) ist vom alltäglichen Leben geprägt. Aspekte der Konsumwelt, einer internationalen, urbanen Lifestyle-Kultur sowie der damit zusammenhängenden Musikszene fließen in seine Werke ein.

Scurti bringt seine Arbeiten mit dem Begriff der „Street Credibility“ in Bezug, jenem Begriff aus der Musikbranche, der Rap-Musikern Respekt und Glaubwürdigkeit auf der Straße, als ursprünglichem Entstehungsort des Rap, bescheinigt. Wenn der Künstler einzelne Motive aus dem Alltagsleben aufgreift, so übernimmt er konzeptuell auch bewusst die Konnotationen des Begriffs und die mit dem Objekt verbundene Sozialisierung. Der Künstler reproduzierte beispielsweise für sein Objekt „Sandwich“ (1998) die Tür einer Bäckerei seines Wohnviertels samt den darauf angebrachten Labels und Hinweisen auf die Akzeptanz von Kreditkarten. Ein weiteres Beispiel ist das Werk „Street Credibility“ (1998), für das der Künstler seine Schuhe mit dem Motiv des Pariser Stadtplans besohlen ließ. In der Ausstellung „Über die Metapher des Wachstums“ im Kunsthaus Baselland zeigt Scurti das Video „La Linea“ (2002), für das er In Absprache mit Osvaldo Cavandoli, dem Schöpfer der gleichnamigen Zeichentrickserie, eine neue Episode produziert hat. Der Zeichentrickfilm besteht aus einer einzigen Linie, aus der heraus die Figur und ihr direkter Kontext fließend entstehen. Ein Charakteristikum der Serie ist der direkte Dialog der Zeichentrickfigur mit ihrem Schöpfer, der in Reaktion nach und nach Elemente der Umgebung zeichnet und verändert. Scurti verwendete im Hintergrund seiner 2-minütigen Episode Grafiken aus der Wirtschaftspresse, die steigende und fallende Kurse darstellen und von ihm zu einer Art ökonomischer Landschaft interpretiert werden. Seine Version der Zeichentrickserie thematisiert Wechselwirkungen zwischen künstlerischer Produktion, Kreativität und Markt und vergleicht Phänomene in Wirtschaft und Kunst. Die Existenz der Figur wird in unmittelbaren Zusammenhang mit wirtschaftlichen Beweggründen gebracht, wobei der Künstler und das Kunsterzeugnis wortwörtlich am gleichen Strang ziehen.


Franck Scurti, La Linea (Tractatus Logico-Economicus), 2001
Franck Scurti, La Linea (Tractatus Logico-Economicus), 2001