Samstag 21. Mai 2011 — Sonntag 10. Juli 2011

Über die Metapher des Wachstums

Ausstellung

Andreas Zybach

Andreas Zybach (CH, geb. 1975 in Olten, lebt und arbeitet in Berlin) setzt sich in seinen Arbeiten vielfach mit Fragestellungen aus den Forschungsbereichen der Technik, Biologie oder Architektur auseinander. Die Beobachtungen und Untersuchungen dieser Wissenschaften überführt Zybach in konzeptuelle Überlegungen der Kunst, die einen Bogen zu aktuellen, gesellschaftspolitischen Themen spannen.

So dient ein aus den 1960er Jahren stammendes Konzept der Nasa für den Bau einer Raumstation als Ausgangsbasis für die Arbeit „Rotating Space“ (2004). Raumfahrtforscher wie u. a. Wernher von Braun unternahmen Versuche, eine künstliche Schwerkraft zu erzeugen, die ähnliche Bedingungen wie auf der Erde herstellen sollte. Dafür entwickelten die Forscher eine ringförmige Raumstation, die durch ihre Rotationsbewegung im Inneren die nötige Schwerkraft produzierte. Vergleichbar mit Gewächshäusern und botanischen Gärten, in denen ebenfalls eine kontrollierte Umwelt erzeugt wird, versucht Zybach, in seiner Installation aus Stahl, Erde, Wasser und Pflanzensamen die beiden Ansätze zusammenzuführen. Sein rotierender Nachbau der Raumfahrtforschung verweist neben dem tatsächlichen pflanzlichen Wachstum in seinem Inneren allerdings auch auf die anhaltende menschliche Vision, den Lebensraum auf der Erde unbegrenzt erweitern zu können.

Ein räumlich architektonisches Wachstum thematisiert die in einer ersten Umsetzung im Jahre 2003 realisierte Installation „Ohne Titel (Architekturmodell)“, die für die Ausstellung im Kunsthaus Baselland eine ortsspezifische und inhaltliche Erweiterung erfährt. Papierbögen, die im Querformat mit Handlungsaufforderungen bedruckt sind, werden von einem Papierschredder in Leserichtung zerschnitten. Damit unterläuft Zybach die eigentliche Funktion des Schredderns: Die Maschine zerschneidet die Informationen nicht mehr bis zur Unkenntlichkeit, sondern separiert fein säuberlich Zeile für Zeile. Hebt der Rezipient einen Papierstreifen von dem im Laufe des zeituhrgesteuerten Schredderprozesses anwachsenden Haufen auf, wird er mit Sätzen wie „Bitte mitnehmen“, „Bitte zerreißen“, „Werfen Sie den Inhalt Ihrer Taschen auf den Boden“ oder „Bitte verlassen Sie den Raum“ konfrontiert. Andreas Zybach fügt seiner Arbeit damit eine kommunikative Ebene hinzu, auf der verschiedene Mini-Performances initiiert werden. Dazu Zybach: „Es ist der Versuch einer Auseinandersetzung mit sozialen Fragen wie Autorität und Autonomie – auch im Zusammenhang mit der Produktion von Kunstwerken. Finden sich genügend Interessierte für eine Idee bzw. ein Problem, folgt daraus oft eine räumliche Umsetzung. Teils um die Unterschiedlichkeit dieser Gemeinschaft nach außen hin architektonisch darzustellen, teils um das oder die zu lösenden Probleme zu verstecken.“

 


Andreas Zybach, Ohne Titel, 2011
Andreas Zybach, Ohne Titel, 2011
Andreas Zybach, Ohne Titel, 2011
Andreas Zybach, Ohne Titel, 2011
Andreas Zybach, Ohne Titel, 2011
Andreas Zybach, Ohne Titel, 2011