Sonntag 28. November 2010 — Sonntag 09. Januar 2011

Regionale 11

Ausstellung

Hinrich Sachs

Mit seinen “Templates” aus Plexiglas hinterfragt Hinrich Sachs (*1962, lebt in Basel) die Erwartungen eines wiedererkennbaren künstlerischen Stils, einer Handschrift. Die ausgestanzten Sätze sind Aussagen von Künstlern zur Kunst generell oder zu ihrer Arbeit (z.B. “Diese Tänzerin, das bin ich in ihrer Naivität oder Blindheit, der Welt gegenüber fühle ich mich ihr verwandt”).

Jede der einzelnen Template-Arbeiten zeigt einen solchen prägnanten Satz, der zumeist die Begriffe „Ich“ und „mein“ enthält. Die Buchstaben stehen allerdings als Negativformen in der transparenten Plexiglasfläche, das Werkstück wird zur Schablone. Diese Werkgruppe bringt die parallel zu Werken kursierenden und Authentizität steigernden Aussagen von Künstlern handfest in die Ausstellungsebene, lässt deren „Subjektivität“ aber zugleich als Produzierte erkennen.“ In der Videoarbeit “Galanight of the Cannibals”, die Sachs zusammen mit Ethidium Gould, Goldin+Senneby und Jochen Schmith produzierte, steht die online Welt von Second Life im Mittelpunkt. Auf dem Höhepunkt des Hypes um diese Plattform hat die Autorengruppe zweimal eine Inszenierung in Realzeit organisiert, die das Format der von Francis Picabia in den 1930er Jahren ausgestatteten Galanächte lose aufgriff: 2005 im CAC Vilnius, anlässlich der Baltic Triennial, 2006 in der Jan van Eyck Academie, Maastricht. Die jeweiligen Räumlichkeiten waren als virtueller Nachbau in Second Life präsent, die Partys fanden weltweit gleichzeitig am jeweiligen Ort und im Netz statt. In der daraus entwickelten Videoinstallation wird neben der kritischen Aktivierung der rollenspielartigen Selbstinszenierungen und Versprechen auch der nicht hintergehbare Verbrauch von realer Lebenszeit zur – sisyphosartigen – Metapher des Loops.


Sachs/Gould/Goldin+Senneby/Schmith, Galanight of the Cannibals, 2008, Kunsthaus
Hinrich Sachs, Go and google (template), 2009/10, Kunsthaus Baselland